Widerruf und Widerspruch werden häufig verwechselt, betreffen aber unterschiedliche Situationen und haben verschiedene Rechtsgrundlagen.
Der Widerruf der Einwilligung (Art. 7 Abs. 3 DSGVO):
- Wann: Wenn die Datenverarbeitung auf einer Einwilligung beruht (Art. 6 Abs. 1 lit. a oder Art. 9 Abs. 2 lit. a DSGVO).
- Wirkung: Die Einwilligung wird mit Wirkung für die Zukunft zurückgenommen. Die bisherige Verarbeitung bleibt rechtmäßig ("Die Rechtmäßigkeit der aufgrund der Einwilligung bis zum Widerruf erfolgten Verarbeitung wird durch den Widerruf nicht berührt").
- Voraußetzungen: Keine Begründung nötig. Der Widerruf muss so einfach wie die Erteilung der Einwilligung sein.
- Folge: Der Verantwortliche muss die Verarbeitung einstellen und prüfen, ob eine Löschungspflicht besteht, da ohne Rechtsgrundlage nicht weiterverarbeitet werden darf.
Der Widerspruch gegen die Verarbeitung (Art. 21 DSGVO):
- Wann: Wenn die Verarbeitung auf berechtigtem Interesse (Art. 6 Abs. 1 lit. f) oder öffentlichem Interesse (Art. 6 Abs. 1 lit. e) beruht.
- Zwei Varianten:
- Allgemeiner Widerspruch (Art. 21 Abs. 1): Erfordert "Gründe aus der besonderen Situation" der betroffenen Person. Es findet eine Abwägung statt: Der Verantwortliche darf weiterverarbeiten, wenn er zwingende schutzwürdige Gründe nachweisen kann.
- Widerspruch gegen Direktwerbung (Art. 21 Abs. 2): Ist unbedingt, erfordert keine Begründung und keine Abwägung. Die Verarbeitung zu Werbezwecken muss sofort eingestellt werden.
Zusammenfassung der Unterschiede:
| Merkmal | Widerruf (Art. 7 Abs. 3) | Widerspruch (Art. 21) | | - - - - -| - - - - - - - - - - - - - | - - - - - - - - - - - | | Rechtsgrundlage der Verarbeitung | Einwilligung | Berechtigtes/öffentliches Interesse | | Begründung nötig? | Nein | Grundsätzlich ja (Ausnahme: Werbung) | | Abwägung? | Nein | Ja (Ausnahme: Werbung) | | Wirkung auf bisherige Verarbeitung | Bleibt rechtmäßig | Bleibt rechtmäßig |
Praxistipp: Prüfen Sie zunächst, auf welcher Rechtsgrundlage die Verarbeitung erfolgt. Diese Information finden Sie in der Datenschutzerklärung des Verantwortlichen. Beruht die Verarbeitung auf Einwilligung, widerrufen Sie. Beruht sie auf berechtigtem Interesse, widersprechen Sie.